BASI Gase

Unternehmen

Historie

Chronik der Badische Acetylen und Sauerstoff Industrie: basi

Von 2000 bis heute: Wir geben Gas. Neue Kunden, neue Produkte, neue Qualitäten

Von 1974 bis 2000: Wachstum und neue Aufgaben

Von 1949 bis 1973: Wirtschaftswunderjahre

Von 1923 bis 1948: Aufbau und Rückschläge

Gründungsjahr 1923: Aller Anfang ist schwer

Von 2000 bis heute: Wir geben Gas. Neue Kunden, neue Produkte, neue Qualitäten

Immer spezieller werden die Wünsche der Kunden bezüglich Gase-Gemischen und -Reinheiten. Das leistungsfähige Gase-Labor erfüllt diese Wünsche mit zertifizierter Qualität. Der Medizin- und Lebensmittelgase-Bereich wird ebenso ausgebaut wie das engmaschige basi-Gase-Center-Netz, das selbstabholenden Gewerbe- und Privatkunden den kurzen Weg zu den basi-Gasen bietet. Anlieferkunden werden nach wie vor durch den eigenen Fuhrpark direkt und sicher versorgt. Für das Produkt Trockeneis aus CO2 wurde eine eigene Produktion in Rastatt erstellt, die die Kunden aus dem Lebensmittel- oder Oberflächenbearbeitungsbereich mit Eisblöcken oder Strahlpellets versorgt.

Seit Frühjahr 2011 erreicht basi durch Eröffnung eines Web-Shops auch Kunden außerhalb des traditionellen Liefergebietes.
basi gibt weiter Gas. Mit hohen Investitionen in neue Produkte und innovative Dienstleistungen wollen wir mehr als 10.000 aktive Kunden, vom Großbetrieb über das Universitätsklinikum, bis hin zum Privatkunden immer wieder von unserer Leistungsfähigkeit überzeugen. 110 Mitarbeiter sehen darin ihre Aufgabe. Aktuelle basi-Aktivitäten und Neuigkeiten finden Sie auf dieser Homepage

Von 1974 bis 2000: Wachstum und neue Aufgaben

Luftaufnahme des Werks Niederbühl, 1970

Die Luftzerlegungsanlage in Kehl, 1976

Prodair et compagnie, kurz PEC genannt, 1990

Luftaufnahme des Werks Rastatt, Im Steingerüst, 2006

Mitte der 70er Jahre jedoch hat der Sauerstoffverbrauch der Stahlwerke ein so hohes Niveau erreicht, daß sich die Zulieferung aus der Luftzerlegungsanlage Niederbühl nicht mehr rechnete. Eine kostengünstige Versorgung ist nur mit einer Anlage vor Ort möglich. Die Geschäftsleitung unter Kurt Schöberl wagt deshalb eine Investition von 12 Millionen Mark - dies entspricht einem Jahresumsatz - und errichtet 1976 in Kehl eine Luftzerlegungsanlage. Eine mutige Entscheidung, die sich auszahlen soll.

Hans Schöberl

Kurt Schöberl selbst sollte die Inbetriebnahme der Anlage tragischerweise nicht mehr erleben, da er Anfang 1976 im Alter von nur 60 Jahren verstirbt. Geleitet wird das Unternehmen in den folgenden Jahren von Geschäftsführer Jürgen Loose in bereits bewährter Art und Weise allein, bis Hans Schöberl Anfang der 80er Jahre nach Beendigung seines Jurastudiums die Geschäftsführung auch aktiv verstärkt.

Ein drittes Standbein neben dem bereits vorhandenen Handel mit Schweißtechnik schafft sich "basi" 1978 mit der Gründung der damals so genannten Abteilung Wasseraufbereitung. Damit schnürt das Unternehmen ein für Schwimmbäder innovatives Dienstleistungspaket. Badeanstalten erhalten nun sämtliche Verbrauchsmaterialien kurzfristig aus einer Hand - ohne eigene Lagerhaltung. Der Erfolg dieses durchdachten Konzeptes stellt sich rasch ein. Innerhalb kurzer Zeit stehen viele Schwimmbäder im Einzugsbereich auf der Kundenliste.

Ende der 70er Jahre droht der "basi"-Standort Niederbühl regelrecht aus den Nähten zu platzen. Das Firmenareal, zwischen Murg und Gewerbekanal gelegen und von einem öffentlichen Weg durchtrennt, lässt jedoch keine Erweiterung mehr  zu. Das Unternehmen erwirbt deshalb von der Stadt Rastatt das bis heute genutzte Grundstück im Industriegebiet "Steingerüst". Insgesamt 12 Millionen Mark, auf zwei Bauabschnitte verteilt, fließen zwischen 1982 und 1985 in den völligen Neubau der Produktionsstätten und Verwaltungsräume.

Die Wirtschaft boomt - auch die Stahlwerke in Kehl fordern immer mehr Sauerstoff an. Jährlich 18 Millionen Kubikmeter beziehen die Stahlwerke Mitte der 80er Jahre, prognostiziert wird aber ein Bedarfsanstieg auf 40 Millionen Kubikmeter. Das damit verbundene Investitionsrisiko erscheint der Geschäftsführung jedoch zu groß, um es alleine zu tragen. Nach langen Verhandlungen gründet "basi" 1989 gemeinsam mit der französischen Tochter des amerikanischen Unternehmens "Air Products" die Firma "Prodair et compagnie" - kurz PEC - und nimmt 1990 bei Straßburg eine Luftzerlegungsanlage in Betrieb, um von dort aus das Stahlwerk mit einer unter dem Rhein verlaufenden Pipeline zu versorgen.

1995, nur fünf Jahre später, errichtet PEC an seinem Standort wegen des erneut gestiegenen Bedarfs der BSW (85 Millionen Kubikmeter pro Jahr) eine weitere Luftzerlegungsanlage. Diese erweiterte Produktionsbasis sichert den großen und kleinen Kunden der basi bis heute eine wirtschaftliche und zuverlässige Gaseversorgung.

Die Entwicklung des mittelständischen Gase-Herstellers basi geht bis heute kontinuierlich voran. Mit hohen Investitionen in neue Produkte und innovative Dienstleistungen werden neue und bestehende Kunden immer wieder von der Leistungsfähigkeit des Unternehmens basi und seiner Mitarbeiter überzeugt. Finden Sie auf unserer Homepage, womit wir Sie überzeugen dürfen.

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Von 1949 bis 1973: Wirtschaftswunderjahre

Viele wollen schweißen lernen: Schweißkurs, Gewerbeschule Waldshut 1955

Im Jahre 1952 wird ein neues Büro- und Wohngebäude in der Niederbühler Mühlstraße bezogen: Im Erdgeschoß befinden sich die Arbeitsräume, eine Etage höher wohnt Kurt Schöberl mit seiner Familie. Umgeben ist das Haus von Nutzgärten, in denen die Betriebsangehörigen in ihrer Freizeit Obst und Gemüse zu ihrer eigenen Ernährung anbauen. Auf dem Parkplatz scharren die Hühner des Betriebsleiters und legen ihre Eier. Wenige Jahre später weichen die zweckmäßigen Nutzgärten gepflegten Grün- und Zierflächen, und die Eier kommen von nun an aus dem Karton - die Nachkriegszeit ist vorbei, die Regale sind wieder besser gefüllt, und die Kaufkraft nimmt stetig zu. Die Zeit des Wirtschaftswunders beginnt.

Produktpalette in den 50ern: Sauerstoff und Acetylen am Messestand

Am 9. November 1957 stirbt Heinrich Schöberl. Sein Tod markiert für "basi" das Ende einer Ära, zumal 1958 Geschäftsführer Willy Kurschildgen nach 35jähriger Tätigkeit in den Ruhestand verabschiedet wird.

Christian Hertel (Ende der 50er Jahre ) und Jürgen Loose

Unter der Geschäftsführung von Kurt Schöberl und Kurschildgens Nachfolger Christian Hertel wächst das Unternehmen zusehends; 1963 wird deshalb die Luftzerlegungsanlage in Niederbühl durch eine neue, leistungsfähigere ersetzt. Die gemeinsame Zeit des erfolgreichen Geschäftsführer-Duos ist jedoch kurz bemessen: Im Dezember 1970 erliegt Christian Hertel überraschend einem Herzversagen, und Jürgen Loose tritt in die Geschäftsführung ein. Eine Blitzkarriere, schließlich ist er erst seit wenigen Monaten als Assistent der Geschäftsleitung im Hause tätig.

Die neue Luftzerlegungsanlage in Niederbühl Anfang der 70er Jahre

Nach nur siebenjährigem Betrieb der Luftzerlegungsanlage stößt das Niederbühler Werk 1970 schon wieder an seine Kapazitätsgrenzen, weil die Badischen Stahlwerke (BSW) in Kehl, seit Produktionsbeginn 1968 einer der größten "basi"-Kunden, immer mehr Sauerstoff für die Stahlschmelze benötigen. Die alte Luftzerlegungsanlage muß deshalb abermals einer größeren Produktionsanlage weichen.

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Von 1923 bis 1948: Aufbau und Rückschläge

Die alte Mühle am Gewerbekanal, wie sie Willy Kurschildgen 1921 sah

Wir schreiben das Jahr 1921, als Willy Kurschildgen im Auftrag der Firma Hager & Weidmann (Bergisch-Gladbach), die bereits seit 1908 Schweißgeräte herstellt, Süddeutschland bereist. Seine Aufgabe ist es, einen Standort zum Bau eines Sauerstoffwerks zu finden. Zu Fuß (!) unterwegs von Rastatt nach Kuppenheim, entdeckt er im Dörfchen Niederbühl die am Gewerbekanal gelegene Mühle von Wilhelm Gleisle - seit einem Brand im Jahr 1918 nur noch eine Ruine.

Die Mühle vor dem Brand 1918

Drei Jahre versucht Willy Kurschildgen, Banken und staatliche Stellen für das Projekt zu gewinnen. Schließlich gelingt es ihm, Mühlenbesitzer Wilhelm Gleisle und Rudolf Stierlen von den Rastatter Stierlen-Werken, von dem Plan zu begeistern. Im Oktober 1923 ist es soweit: Mit dem technischen Know-how der Firmen Hager & Weidmann und Stierlen sowie unter Beteiligung der Hessenwerke (Kassel) und der Firm Wagiro (Köln) wird die "Badische Sauerstoff-Industrie AG, Rastatt" gegründet. Zum Geschäftsführer wird Willy Kurschildgen berufen.

Die junge Niederbühler Firma erhält 1926 einen Großauftrag der Deutschen Reichsbahn. Zwar liegt ihr Angebotspreis über dem von Mitbewerbern, doch kann die "Badische Sauerstoff-Industrie AG" nach Inbetriebnahme einer neuen Anlage zur Sauerstofferzeugung einen Reinheitsgrad von mindestens 99,5 Prozent garantieren - eine Qualität, bei der die Konkurrenz zu jener Zeit passen muß.

Heinrich Schöberl, der 1926 die gesamten Aktien des Unternehmens übernimmt

Im selben Jahr erwirbt Heinrich Schöberl die gesamten Aktien des Unternehmens. Als angestellter Direktor der Rheinischen-Schuckert-Gesellschaft tätig, übernimmt er das Sauerstoffwerk im freundlichen Einvernehmen mit Rudolf Stierlen, auf dessen Stierlen-Werke AG bereits kurz nach der Gründung die Anteile der drei Gründungsgesellschafter übergegangen sind. 1936 wird die Firma in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt und heißt nun "Badische Sauerstoff-Industrie KG, Schöberl & Co., Rastatt" - kurz "basi" genannt.

In der Vorkriegszeit und in den ersten Jahren des Zweiten Weltkrieges läuft der Absatz der "basi"-Produkte bestens: Die Sauerstoffanlage arbeitet ständig an der Kapazitätsgrenze. Und im Februar 1943 schreibt Heinrich Schöberl an seine Söhne: "Die basi ist voll beschäftigt und kann ihre Produktion nur erhöhen durch Verminderung der Sauerstoff-Reinheit von 99,5 Prozent auf 99 Prozent. Hierüber wird mit der Reichsbahn verhandelt."

Acetylenwerk in Niederbühl, aus einer unfertigen Baracke des 2. Weltkrieges entstanden

Nach der Besetzung des Elsaß durch die deutsche Wehrmacht im Jahr 1940 engagiert sich das badische Unternehmen auch jenseits des Rheins. In Mühlhausen produziert bereits ein Zweigwerk der "L´Air Liquide, Paris" Sauerstoff und Acetylen. Produkte, die für den militärischen Bereich von großer Wichtigkeit sind. Entsprechend groß ist das Interesse der deutschen Behörden, einen fachkundigen und potenten Betreiber zu finden. Die Wahl fällt auf die Partner "basi" (Know-how und Ausrüstung) und "Degussa" (Karbid-Lieferant).

1941 erfolgt die Produktionsübernahme in den "Elsässischen Sauerstoff- und Acetylenwerken, Mühlhausen", betriebsintern "Esam" genannt. Wegen des Vormarsches der alliierten Truppen 1944 muß die "Esam" ihre Erzeugung jedoch immer mehr drosseln: Mitarbeiter werden kriegsdienstverpflichtet, zudem mangelt es an Dieselkraftstoff für den Transport der Ware. Die letzte Korrespondenz zwischen "basi" und der elsässischen Tochterfirma datiert vom 25. Juli 1944. Mit der Rückeroberung des Elsaß durch die Alliierten sind die neu gewonnenen Kunden und das eingesetzte Vermögen verloren.

Mercedes - Benz Lastzug mit Rohölmotor für 10 to Nutzlast

Nach Kriegsende kämpft "basi" mit erheblichen Schwierigkeiten. Der damalige Auszubildende Gerhard Pflüger erinnert sich: "Nachkriegstypische Provisorien prägten den Arbeitsalltag. Die Außendiensttätigkeit wurde mit dem Betriebsfahrrad, natürlich mit Karbidlampe, wahrgenommen, das wegen der allgemeinen Versorgungslage nicht auf Schlauchreifen, sondern auf Gartenschlauchstücken rollte, die man mit Draht und viel Geschick auf der Felge befestigte. Damit ging´s nach Baden-Baden, um ‘Prioritätszuteilungen’ wie Nahrungsmittel und Zigaretten abzuholen, oder auch ins Murgtal, wo ich Holz für die frierenden Kollegen und für die zwei mit Holzvergaser betriebenen Lkw machte. Davon bekam man großen Hunger und war daher dankbar, wenn der eine oder andere Gase-Lagerhalter mal eine Steige Äpfel oder eine Schüssel Getreidegrütze für die Kollegen mitgab."
Stark betroffen ist "basi" von der Demontage durch die Besatzungstruppen. Französische Offiziere beschlagnahmen die Räumlichkeiten samt Apparaturen und transportieren die firmeneigenen Pkw und Lkw mitsamt aller Stahlflaschen in unbekannte Richtung ab. Doch es kommt noch schlimmer: Die größere der beiden Produktionsanlagen wird unter militärischer Aufsicht abgebaut, im Bahnhof Rastatt verladen und nach Paris gebracht.

Im September 1949 erschließt sich "basi" mit dem Bau eines Acetylenwerkes in Niederbühl nicht nur einen weiteren Absatzmarkt, sondern ist künftig auch weniger abhängig von Zulieferern. Dazu geht das Unternehmen mit dem Karbid-Hersteller Lonza aus Waldshut eine Geschäftspartnerschaft ein. Die neue Produktionsanlage liegt nur einen Kilometer vom Sauerstoffwerk in Niederbühl entfernt - an Stelle von unvollendeten Baracken eines während des Krieges geplanten Strafgefangenenlagers.

Mit dem Gesetz Nr. 8 verfügen die Siegermächte, daß jeder, der während des "Dritten Reiches" in einer verantwortlichen Position gearbeitet hat, zunächst entnazifiziert werden muß. Der Betroffene muß nachweisen, daß er nicht zu eng mit dem Nazi-Regime kooperiert oder sympathisiert hat. Bis zum Abschluß dieser Prüfung erhält Geschäftsführer Willy Kurschildgen Berufs- und Hausverbot.

Glück im Unglück: Bald nach Kriegsende wird Kurt Schöberl, jüngster von vier Söhnen Heinrich Schöberls, nach acht Jahren Militär- und Kriegsdienst aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen und entnazifiziert. Der 30jährige übernimmt die Geschäftsführung, zumal an eine Fortsetzung seines durch die lange Militärzeit unterbrochenen Jurastudiums ohnehin nicht zu denken ist.

Kurt Schöberl

Büro und Wohnhaus, Niederbühl

Büro Niederbühl, Eingang

Büro Niederbühl, Empfang

Willy Kurschildgen unterstützt Kurt Schöberl nach Kräften. Heimlich kommen sie in dessen Wohnzimmer zu geschäftlichen Besprechungen zusammen, während im Werk die Besatzer Wache schieben. Einige Zeit später wird auch er entnazifiziert. Mit ausdrücklicher Zustimmung Heinrich Schöberls leiten die beiden weiterhin gemeinsam, nun aber ganz offiziell das Unternehmen.

Die ersten 25 Jahre sind geschafft - die Zahl der Mitarbeiter wuchs mit dem Erfolg bei den Kunden

1948 feiert die "basi" ihr 25jähriges Bestehen. Zu dieser Zeit ist das Absatzgebiet durch Anordnung der Besatzungsbehörde auf das Gebiet zwischen Durmersheim und Emmendingen, mit Abzweigungen in den Schwarzwald bis Hausach und Schramberg, geschrumpft. In den 30er Jahren und Anfang der 40er hat die Firma noch über 2.000 Kunden vom Handwerker bis zur Großindustrie in ihren Büchern geführt und im Norden bis Mannheim, im Osten bis Pforzheim und Calw sowie im Süden bis Lahr und Triberg geliefert. Geschäftsführer Willy Kurschildgen in der Jubiläumsschrift:

"Die Kapazität des Werkes wurde durch Entnahmen von Maschinen und 3.500 Stahlflaschen im Mai 1946 empfindlich beeinträchtigt. Im Interesse der Betriebssicherheit und einer ausreichenden Sauerstoffversorgung hoffen wir, daß in Bälde die Voraussetzungen für eine Wiedergesundung unseres Werkes gegeben sind."

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Gründungsjahr 1923: Aller Anfang ist schwer

Alte Mühle in Niederbühl am Gewerbekanal
vor dem Brand 1918

Einige Mitarbeiter aus dem Gründungsjahr 1923

Was im Gründungsjahr 1923 noch alles geschah…

Am Mittwoch, den 10. Oktober 1923 wurde die basi gegründet und beliefert seitdem die Gasekundschaft im südwestdeutschen Raum. Keine noch lebenden Zeitzeugen können uns aus dieser Zeit berichten, die kaum geeignet schien, ein Unternehmen zu gründen.
Das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umfeld war noch stark vom Ausgang des 1. Weltkrieges (1914 - 1918) geprägt.

Der erste Flüssigtankwagen, von den Fahrern auch "der Möbelwagen" genannt

Flüssigsauerstoff im Kundentank


11. Januar 1923: Französische und belgische Truppen marschieren in das Ruhrgebiet, die Pfalz und Teile Mittelbadens ein. Diese Wiederbesetzung erfolgt quasi als Pfand für die nur schleppend erfolgten Reparationslieferungen (Wiedergutmachung) als Folge des vom Deutschen Reich verlorenen 1. Weltkrieges. Kohle, technische Erzeugnisse und Vieh sollen gemäß dem Versailler Vertrag (1919) an die Siegermächte geliefert werden, um deren erlittene Kriegsschäden auszugleichen.

31. Januar 1923: Die Besatzer des Ruhrgebietes unterbinden Kohlelieferungen in den unbesetzten Teil des Reiches. Durch diesen Energiemangel leidet die Wirtschaft zusätzlich, die durch die aufkommende Inflation und das Exportverbot für deutsche Waren bereits stark behindert wird.

25. Februar 1923: Der Dollar kostet 22.750 Reichsmark. Die Inflation galoppiert, und die Arbeitslosigkeit wächst sprunghaft an. Die Bevölkerung verelendet zusehends, da Löhne und Gehälter der Inflation nicht mehr folgen können, die auch alle Ersparnisse wertlos macht. Mangelernährung und Krankheiten breiten sich aus.

Die Wiederbesetzung von Teilen Deutschlands durch Franzosen und Belgier als Spätfolge des 1. Weltkrieges beherrscht nach wie vor die Nachrichtenlage. Die Deutschen leisten passiven Widerstand bzw. sabotieren den Abtransport der zur Wiedergutmachung vorgesehenen Güter. Arbeitgeber und Gewerkschaften unterstützen gemeinsam den passiven Widerstand. Die Produktion geht in allen Wirtschaftsbereichen stark zurück.
02. März 1923: Die Besatzer verfügen die Beschränkung der Pressefreiheit durch das Verbot von über 100 Zeitungen in den besetzten Gebieten des Rheinlandes, der Pfalz und Badens.

15. März 1923: Eisenbahner sabotieren Gleisanlagen und bringen viele Züge zum Entgleisen. Die Besatzungsbehörden ordnen daraufhin an, daß deutsche Eisenbahnbeamte (als Geiseln) zur Mitfahrt in den Zügen gezwungen werden sollen.

17. April 1923: Nach seinem dritten Schlaganfall verliert Wladimir Illjitsch Lenin, sowjetischer Partei- und Regierungschef, seinen politischen Einfluß.
Im April 1923 sind im Deutschen Reich 10.000 PKW, 60.000 Motorräder und 52.000 LKW zugelassen. Die Steigerung gegenüber dem Vorjahr beträgt etwa 50 %.

27. Juni 1923: Papst Pius XI. ruft die Völker zur Versöhnung auf. Er wendet sich in einem offenen Brief gegen die anhaltende Besetzung deutscher Gebiete durch die Franzosen.

Der Hit des Jahres 1923 kommt im Sommer aus den USA. Eingedeutscht "Ausgerechnet Bananen" und auch heute noch bekannt. Das Stimmungslied "Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen" des deutschen Komponisten Robert Steidl ist zu Zeiten der Wirtschaftskrise fast schon der Ersatz für die Nationalhymne. Modetanz ist der aus den USA kommende Foxtrott.

Die Urlaubsreise (damit sind 1923 nur Inlandsreisen für einige wenige gemeint) wird im Juli jede Woche teurer und damit unerschwinglich. Die Presse empfiehlt statt dessen, mit dem Rad aufs Land zu fahren und preisgünstigere Lebensmittel zu organisieren.

03. August 1923: Die Deutsche Reichsbank bringt 10,5- und 100-Millionen-Reichsmark-Scheine in Umlauf, um der Bevölkerung inflationsgerechte Zahlungsmittel an die Hand zu geben.

13. August 1923: Unter Gustav Stresemann bildet sich eine neue Regierung als große Koalition aus DVP (Deutsche Volkspartei), Zentrumspartei, DDP (Deutsche Demokratische Partei) und SPD. Diese Regierung erläßt im Oktober das sogenannte Ermächtigungsgesetz, um die durchgreifende und rasche Lösung der drängenden Wirtschafts- und Währungsfragen herbeizuführen. Das Ermächtigungsgesetz führt quasi zu einer befristeten (bis 31.03.1924) "legalen Diktatur".

Starke Widerstände gegen das Gesetz innerhalb der Koalition führen jedoch zum Auseinanderbrechen der Koalition (03.10.1923) und zu Putschversuchen der radikalen Parteien wie KPD und NSDAP (Hitlerputsch am 08.11.1923). Hitler erklärt dabei in seiner "Proklamation an das deutsche Volk" die Reichsregierung für abgesetzt. Der Putsch scheitert jedoch zunächst, und Nationalsozialisten und Kommunisten werden verboten.

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20. August 1923:
1 US-Dollar = 4,2 Mio. Reichsmark,
1 Laib Brot kostet 200.000 RM, 1 ltr. Milch kostet
180.000 RM.



10. Oktober 1923:  Gründungstag der "Badischen Sauerstoff-Industrie AG, Rastatt".

29. Oktober 1923: Zur Wirtschafts- und Währungskonsolidierung erläßt die Regierung die Verordnung zur Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 48 Stunden auf 59 Stunden. Es galt bis dahin der 8-Stunden-Tag, allerdings war Samstag ein normaler Arbeitstag.


In Berlin nimmt der öffentliche Radio-Rundfunk seinen ersten Sender in Betrieb. Auf Mittelwelle wird ein gemischtes Musikprogramm gesendet, welches mittels posteigener Kristalldetektorgeräte und Kopfhörer verfolgt werden kann.


02. Dezember 1923: Die USA erlassen einen Einwanderungsstop für deutsche Einwanderer, da die Quote bereits ausgeschöpft worden war. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse im Deutschen Reich wollen zu viele Deutsche das Land verlassen. Die Deutschen liegen mit über 50.000 Einwanderern in die USA mit Abstand an der Spitze (Großbritannien: 30.000).

07. Dezember 1923: Das Internationale Rote Kreuz ruft Hilfsaktionen in aller Welt hervor, um der notleidenden deutschen Bevölkerung zu helfen. Lebensmittelsendungen und Kinderverschickung sind typische Hilfsmaßnahmen, um der schlimmsten Not Herr zu werden.

24. Dezember 1923: Auf dem Wunschzettel der Deutschen stehen ein Radioempfänger oder Grammophongerät bzw. Schallplatten ganz oben. Bücher sind ebenfalls sehr beliebt. Ein leiser Optimismus rührt sich bezüglich der Überwindung des wirtschaftlichen Tiefpunkts, der Arbeitslosigkeit wie auch einer Lösung der Reparationsfragen und der damit einhergehenden Ruhrbesetzung.

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